Bye bye Chios, Land of Homer

 

Judith auf Chios Strassen

Heute verabschieden wir uns nach fast zwei Wochen von Chios (wir wollten anfangs nur ein paar Tage bleiben…), das uns mit seinen bergigen Landschaften & wunderschönen Buchten sehr gefallen hat. Der Weg führt uns mit Fähren – so die streikenden Griechen denn wollen – via Samos nach Naxos.

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Istanbul Impressionen

Bilder sagen mehr als tausend Worte… Hier ein paar Eindrücke von Istanbul.

Die Blaue Moschee
Pascal bei der Blauen Moschee
Hagia Sofia – Und da stellen wir auch noch eins hin… 😉
Istanbul ist ein geschäftiger Basar
Knöpfe en masse
Grosse, historische Zisterne
Hagia Sofia – Erst Kirche, dann Moschee und heute mehr ein Museum
Der europäische Teil von der Fähre aus
Brotauslage
Einer von vielen schönen Ecken

Weitere Bilder gibt’s wie immer auf unserer Flickr Seite.

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GPS Tracks des serbischen Teils der EuroVelo6 Route

Auf Donau-Info gibt es detailierte GPS-Tracks vom serbischen Teil der EV6 Route. Leider sind diese Daten in einem proprietären, nicht sehr verbreiteten Format. Mit GPSBabel und etwas Handarbeit konnte ich diese in einfacher zu nutzendere GPX Files konvertieren. Diese können hier als ZIP Datei heruntergeladen werden. Vielleicht sind sie auch jemandem anderen nützlich.
Unterwegs haben wir zufälligerweise Ciklonaut, den Urheber der Daten angetroffen. Er hat uns die Erlaubnis gegeben die Tracks auch auf OpenStreetMap hochzuladen. Danke! Jetzt müssen die Daten nur noch in die OSM-Karte eingearbeitet werden. Da gibt’s noch viel zu tun.

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Sofia – Istanbul oder wie wir Konstantinopel erobert haben

Dieser Blogbeitrag kommt mit etwas Verspätung. Wir sind bekanntlich bereits auf Chios, einer griechischen Insel vor der türkischen Küste. Und es ist schön hier! 🙂

Sofia verlassen wir über die Autobahn. Aber Radfahren ist hier zum Glück erlaubt, weil es gleichzeitig noch eine „normale“ Überlandstrasse ist. Der Pannenstreifen bietet sich zum Velofahren bestens ans (Warum eigentlich ist Velofahren auf der Autobahn verboten? Wäre noch cool auf dem Pannenstreifen der A1 von Bern nach Zürich fahren zu können ;). Den Verkehrspolizisten winken wir fröhlich und im Sinne von „Flucht nach vorne“ zu. Nach einer kurzen Weile, man kann sie förmlich denken sehen, winken sie uns zurück. Also wirklich alles OK mit Velo und Autobahn. Nach 10km ist der Spass zu Ende. Die Überlandstrasse zweigt von der Autobahn ab und mit ihr auch wir. Es hat nicht viel Verkehr und die Strasse ist gut. Das Wetter auch, trotz relativ schlechten Wetterbericht.

Es geht leicht hinauf, weil wir einen Hügelzug queren müssen. Aber nach dem Petrohan ist das alles Peanuts ;). Bereits auf der anderen Seite, nach der Mittagspause, sieht die Strasse weiter vorne plötzlich aus, als sei sie überschwemmt worden. Als wir näher kommen, sehen wir, dass es einfach Schlaglöcher ohne Ende sind. Wir sind ziemlich erstaunt. Bis dahin war die Strasse echt gut und plötzlich ist sie das reinste Mienenfeld (dafür hat’s keinen Verkehr). Nach ein paar Kilometern wird es dann plötzlich wieder besser.

Und plötzlich hat die vormals gute Strasse Schlaglöcher ohne Ende

Wir können ziemlich viel Höhe aufbrauchen und so geht es meist runter. Die Strasse ist gesäumt von Bergen und die Häuser sehen aus wie im Tessin. Mit der Bahnlinie, die sich auch noch durch Tal schlängelt, kommen schon fast heimische Gefühle auf. Das wir doch nicht im Tessin sind, bemerken wir, als plötzlich WC-Papierstapel in allen Farben am Strassenrand stehen. Im Dorf gibt es eine grosse Papierfabrik und, wie wir schon früher bei Erdbeeren und Honig beobachten konnten, wird in Bulgarien jeweils nur ein Produkt pro Dorf verkauft. Dafür gleich an jeder Strassenecke. Hier also zur Abwechslung mal WC-Papier.

Das Dorf mit der WC-Papier-FabrikDas Dorf mit der WC-Papier-Fabrik

Nachdem wir die Höhe aufgebraucht haben, bekommt die Landschaft wieder die gewohnte bulgarische Weite. Wir bewegen uns durch das Gemüseanbaugebiet. Wenn nicht Getreidefelder bis zum Horizont wachsen, dann sind es Gewächshäuser mit Tomaten oder anderem Gemüse. Die meisten Gewächshäuser scheinen noch aus Sowjetzeiten zu stammen und viele sind auch nicht mehr genutzt (resp. Ersatzteillager für die noch im Einsatz stehenden).

Bis am Abend schaffen wir das, gemäss Ivan, Unmögliche und kommen nach fast 150km in Plovdiv an. Hier gibt’s, glaubt man unserer Karte, einen Zeltplatz, wo wir nächtigen wollen. Unter der Bedingung, dass er einigermassen OK ist und nicht die halbe Welt kostet. Wir treffen auf ein imposantes Eingangstor mit Rezeption daneben. Der Camping sieht aus, als wäre er früher einmal ein „Luxus“-Campingplatz gewesen. Wunderschöne Anlage mit stattlichen Bäumen. Nur leider scheint der Unterhalt heute etwas vernachlässigt zu werden. Wir bleiben trotzdem.

Am Morgen haben wir alle möglichen Viecher am und ums Zelt. Zum Glück ist das Innenzelt insektendicht. So treffen wir z.B. grosse Spinnen und Käfer. Die Glühwürmchen, die sich nachts auf unser Zelt setzten und die man von innen leuchten sah, sind auch verschwunden. Sie glaubten wohl, unser Zelt sei ein „Riesenglühwurm“, da es mit unserem Licht drinnen von aussen grünlich schimmert. Nach einem ausgedehnten Frühstück im Stadtzentrum von Plovdiv, machen wir uns wieder auf den Weg. Bei einer Pause kommt es mal wieder zu einer dieser Zufallsbegegnungen. Wir halten bei einem Cafe und da sitzt zufällig eine Tourenradfahrerin. Stefanie (travelmadhouse) ist nach 2 Jahren alleine unterwegs auf dem Heimweg von Australien nach Deutschland. Wir bleiben natürlich eine Weile sitzen und quatschen.

Stefanie probiert Pascal's Velo mit Anhänger aus

Die lange Etappe vom Vortag hat an unseren Kräften gezehrt und auch Judith’s Hinterteil ist von den vielen Stunden im Sattel etwas lädiert. In Haskovo nehmen wir uns ein Hotelzimmer im Zentrum und entscheiden uns, einen spontanen Ruhetag einzulegen. Das Hotel ist etwas gespenstisch. Es befindet sich in einem riesigen Haus. Allerdings ist nirgends eine Rezeption angeschrieben. So arbeitet sich Judith systematisch durch die Stockwerke durch, bis sie fündig wird. Das Zimmer kostet umgerechnet etwa 12 CHF pro Nacht für uns beide. Die Zimmer sind im 70-er Jahre Stil eingerichtet, witzig aber etwas heruntergekommen. Und es hat Mäuse. Aber uns gefällts. Vor dem Hotel kommt es nochmals zu einer lustigen Begegnung. Ein Bulgare, der bei unserer Ankunft ganz interessiert war an unseren Velos, kommt mit zwei Männern in Lederhosen angelaufen. Wir meinen schon von den Bayern eingeholt zu werden, aber die zwei entpupen sich als die berühmt berüchtigten „Zillertaler Schürzenjäger“. Sie geben heute Abend ein Privatkonzert in Haskovo. Wir hüten uns davor, da hinzugehen. 😉

Das Provinznest Haskovo entpuppt sich als kleine Perle. Schönes und gepflegtes Stadtzentrum, lebendiger Markt, viele Restaurants und coole Bars. Zweisprachige Menukarten sind hier zwar seltener, somit bleibt uns nichts anderes übrig als Bestellung ins Blaue. Was aufgetischt wurde war aber sehr lecker! Und wie überall in Bulgarien gibt es auch hier ganz viele Casinos. Hier herrscht wohl Casino-Liberalisierung oder so was. Böse Zungen behaupten übrigens, dass sie zum Waschen der veruntreuten EU-Gelder dienen…

Vorher...

.. und nachher, breit zum Losfahren

Von Haskovo ist es nur eine Tagesetappe bis an die türkische Grenze in Edirne. Drei Jungs auf zwei kleinen Velos fordern uns implizit zu einem Rennen auf. Wir staunen, wie schnell sie mit den kleinen Rädern und zu zweit sind und wie halsbrecherisch und doch sicher sie über den Asphalt düsen. Wie immer ist es sehr heiss und auch wie immer ziehen irgendwann Gewitterwolken auf. Diesmal trifft es uns nach der Mittagspause. Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig unter ein Dach als es losgeht. Es schüttet wie aus Eimern und plötzlich mischen sich auch noch haselnussgrosse Hagelkörner drunter. Eine halbe Stunde später ist alles wieder vorbei und der Himmel klärt auf. Die Strassen dampfen und auf dem Velo wähnt man sich zeitweise im Dampfbad.

Dampfende Strasse nach Gewitter

Die vielen türkischen Lastwagen, die uns entgegenkommen, deuten auf die nahende Grenze. Der Grenzübergang wirkt völlig überdimensioniert. Man glaubt sich auf einem Flughafen zu befinden. Duty-Free-Shops gibt’s hier auch, nur die Start- und Landepisten fehlen. Wir dürfen die stehende Autokolonne überholen, um noch ein drittes Mal unseren Pass zu zeigen. Worin der Unterschied zu den ersten beiden Malen lag, haben wir nicht herausgefunden. Gleich nach der Grenze steht auch schon die erste grosse Moschee (kleinere haben wir bereits in Bulgarien angetroffen). Und die Türkei begrüsst uns auch mit grossen, breiten Strassen mit relativ wenig Verkehr. Auffällig ist auch, dass die türkische Flagge omnipräsent ist. Von Auto bis zum Gartenzaun ist hier alles mit Flaggen bestückt. Wir fahren die paar Kilometer bis Edirne, der ehemaligen Hauptstadt des osmanischen Reiches, wo wir uns ein Hotelzimmer in der historischen Kervansaray nehmen. Die Anlage war ursprünglich ein Karawanenhof, eine ummauerte Herberge an Karawanenstraßen. Reisende konnten hier mit ihren Tieren und Handelswaren sicher nächtigen und sich mit Lebensmitteln versorgen. Die Karawansereien dienten zugleich als Warenlager und Handelsplatz. Am Abend ziehen wir durch die lebhaften Strassen, essen Kebap (endlich!) und Baklava und hören den Muezzin rufen (es scheppert schrecklich aus den Lautsprechern, aber gehört wohl dazu). Klar wahrnehmbarer Kulturwechsel….

Kervansaray, unser geschichtsträchtiges Hotel in Edirne

Als wir aus Edirne rausfahren, steht da plötzlich ein „MMM MIGROS“. Wir trauen unseren Augen kaum. Sieht aus wie echt. Wie wir später feststellen werden, ist es auch (fast) echt. Es gibt sogar ein paar Schweizer Migros-Produkte zu kaufen.

Ganz oft können wir hier auf frisch geteerten Strassen fahren, die noch nicht für den Verkehr freigegeben sind. Es ist brutal heiss. Der Thermometer von Judith’s Velozähler zeigt einmal sogar 42°C (an der Sonne). Die Tankstellen werden zu unseren besten Freunden. Dort gibt’s Schatten und etwas Kühles zu trinken.

In Çurla finden wir, nachdem uns vier Leute in zwei unterschiedliche Himmelsrichtungen geschickt haben, auf der anderen Stadtseite doch noch ein Hotel. Unsere Beine sind dunkelbraun vom Strassendreck und unsere Ohren vom vielen Gehupe der Autos etwas dumpf. Die Hupanalyse in der Türkei ist übrigens einfach: HUPEN, immer und überall und vorzugsweise vier-, fünf-, sechsmal. Es ist insgesamt und grundsätzlich laut hier. Zurzeit ist gerade Wahlkampf im Gange. Auf den Strassen fahren Autokaravanen mit Plakaten der jeweiligen Parteien und Lautsprechern mit lauter, schriller und scheppernder Musik. Die Karavanen umfassen teilweise über 10 Autos. Offenbar gelten für sie andere Verkehrsregeln, denn bei rot fahren sie ungestört über die Kreuzung weiter. Auch machen wir Bekanntschaft mit einer fahrenden Hochzeitsgesellschaft, die ihrerseits mit etwa 20 Autos hupend und kreuz und quer durch Dorf fährt. Auf dem ersten Fahrzeug, eine Art Pick-up, wird die Band mitgefahren, die fröhlich dudelt und fiddelt. Im zweiten Auto sind die Brautleute, dann folgen die Gäste.

Hochzeitskaravane mit Musikern auf Pick-up

Am nächsten Tag nehmen wir unsere letzte Etappe in Angriff. Uns bangt etwas davor, da wir gehört haben, dass die Einfahrt in Istanbul furchtbar sei. Und so ist es auch… Je näher wir der Stadt kommen, desto mehr Verkehr hat das. Meist können wir auf dem Pannenstreifen fahren und dann geht es einigermassen. Aber stellenweise hat es keinen solchen. Und so kommt es, dass genau an so einer Stelle es plötzlich laut kracht und Pascal schreit und in mich reinfährt. Ich schaue zurück, sehe Pascals Velo am Boden, ihn selber durch die Luft fliegen und hinter ihm ein grosser, roter Sattelschlepper. Da es bergauf geht, war dieser zum Glück nicht schnell unterwegs. Wahrscheinlich ist er kurz eingenickt oder war einfach unaufmerksam. Auf jeden Fall ist er von hinten auf Pascals Anhänger rauf gefahren und hat Pascal dadurch einen heftigen Stoss versetzt. Zum Glück passiert nichts Schlimmes, die Felge von Pascals Anhängerrad hat einen Knacks, ist aber noch intakt. Das Schutzblech ist abgerissen, die Benzinflasche hat einen grossen Buck, das Fähnli ist abgebrochen. Und Pascal hat einige Schürfungen und eine schmerzende Schulter. Aber in Anbetracht dessen, was hätte passieren können, sind wir glimpflich davon gekommen. Der Lastwagenfahrer ist sichtlich schockiert und informiert sofort die Polizei, die ein paar Minuten später auch schon auftaucht. Da ausser uns alle nur Türkisch sprichen, werden wir per Natel mit dem Sohn des einen Polizisten verbunden, der Englisch spricht und hin und her übersetzt. Wir möchten auf die Formalitäten verzichten, da wir gegenüber dem Lenker sowieso nichts geltend machen wollen. Und vor allem, weil wir uns etwas vor der türkischen Bürokratie fürchten. Und auch, weil wir endlich in Istanbul ankommen möchten. Unser Übersetzer lacht, als wir ihm dies mitteilen und bemerkt trocken „I think that is better for you…“. Während wir dort stehen und verhandeln tauchen immer wieder neue Polizeiwagen auf. Die Polizisten, es sind am Ende ungefähr 12, steigen gar nicht mehr aus, sondern wollen offenbar einfach die Szene bestaunen kommen. Die denken wohl, wir seien sowieso verrückt… So stehen wir eine Weile und wissen nicht so recht, ob wir jetzt gehen dürfen oder nicht. Irgendwann deutet uns der am wichtigsten aussehende Polizist (seine Pistole ist am Griff verziert), dass wir doch noch auf den Posten mitkommen sollen. Uns graut. Dort angelangt, erscheint auch unser Übersetzer und lädt uns zu Tee ein. Wir lehnen dankend ab (wir möchten wirklich einfach weiterfahren) und fragen noch nach einer Alternativstrasse nach Istanbul. Alle schütteln mitleidig den Kopf. Aber offenbar sind wir auch ohne Formalitäten entlassen. Also dann, zurück in den Kampf…

Der Sattelschlepper, der in Pascal reinfuhr

Der Schock sitzt uns noch in den Knochen und so machen wir bald wieder Pause. Hungrig bestellen wir in einem Restaurant etwas, das auf einem Plakat gross angepriesen wird. Mangels Türkischkenntnissen wissen wir aber nicht, was es genau ist. Nach dem ersten Bissen stellt sich heraus, dass wir ein Innereien-Sandwich bestellt haben. Auch das noch. Heute ist nicht unser Tag. Oder doch, wir leben schliesslich noch. Nach der Hälfte geben wir auf. Da unsere Kreditkarte nicht funktioniert und wir kein Bargeld mehr haben, werden wir herzlich vom Türken am Tisch nebenan eingeladen. Wir sehen wohl mitleiderregend aus.

Die regennassen Strassen bei der Einfahrt nach Istanbul

Weiterfahren, nur noch ca. 30 km bis ans Ziel. Es regnet wie noch nie auf unserer bisherigen Reise. Da Pascal 2 seiner 3 Schutzbleche fehlen, ist er innert Kürze braun gesprinkelt. Der Verkehr ist der Horror, hupen, eng überholen, Verzweigungen, einbiegende Strassen. Im ganzen Lärm haben wir keine Chance zu hören, was der andere zu rufen versucht (rechts, links, etc.). Am besten geht’s, wenn man im Tempo des Verkehrs zu fahren versucht, wobei uns jeder Stossverkehr oder Stau entgegenkommt. Bei einer weiteren Verschnaufpause kommen zwei Rennvelofahrer auf uns zu. Es sind Türken, die sich in und um Istanbul Velo fahren. einsetzen. Sie entschuldigen sich umgehend für die hiesigen Verkehrsverhältnisse (als ob sie etwas dafür könnten). Wir danken Ihnen, dass sie trotzdem fahren. Denn mit jedem Velo auf der Strasse wird die Situation für die anderen auch etwas hoffnungsvoller.

Wo Istanbul genau beginnt können wir nicht so genau eruieren. Wir fahren schon seit längerem im urbanen Gebiet und ein Ortschild haben wir leider nirgends angetroffen. Wir finden aber einen Weg abseits der röhrenden D-100 und fahren durch Wohnquartiere. Vom vielen Regen sind überall grosse Pfützen auf der Strasse. Teilweise ist die Strasse glitschig wie Seife. Prompt rutscht Pascal in einer Kurve das Velo unter dem Hintern weg. Er bleibt zum Glück stehen.

Im Zentrum von Istanbul, entlang der Küste, sehen wir plötzlich einen schmalen Veloweg. Noch nie haben wir uns so darüber gefreut! Zwar wird er mehr als Grillierunterlage gebraucht und die Leute machen grosse Augen, wenn wir klingeln um durchzufahren. Auf dem letzten Stück nach Sultanahmed lachen wir nur noch. Die Autos stehen sich gegenseitig im Weg. Alle hupen und rufen, bei rot wird gefahren, ein einziges Chaos. Bei unserem Hostel angekommen spricht einer der Gäste Pascal an und fragt, woher wir denn gefahren seien. Bei der Anwort, aus der Schweiz, beginnt er laut zu quitschen und kann es kauf fassen. Er ruft sofort seine Tochter an, um ihr dies mitzuteilen und Pascal muss dann auch noch selber mit ihr reden und ihr versichern, dass es stimme.

Ein Fan vor dem Hostel in Istanbul

Wir sind überglücklich und dankbar, heil an unserem Ziel angekommen zu sein. Es war wunderbar. 🙂

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Die Karte unserer Route

Unter Route aktualisieren wir regelmässig unseren Standort und die zurückgelegte Strecke. Seit heute gibt es auf der Karte neben geplanter Route (grün) und gefahrener Route (rot), auch noch eine dritte Farbe. In orange werden die Streckenabschnitte aufgezeichnet, die wir mit einer Fähre oder Bahn zurückgelegt haben. Dies wird jetzt mit dem „Inselhüpfen“ immer öfters der Fall sein. Über das kleine „+“ am rechten Rand der Karte lassen sich übrigens die einzelnen Routen ein- und ausschalten, sowie zwischen OpenStreetMap (OSM) und OpenCycleMap als Hintergrundkarte wählen. Letztere ist etwas schöner anzusehen, aber leider etwas langsamer im Bildaufbau.

Die gefahrene Route zeichnet ein GPS-Tracker auf, den Judith mitführt. Das kleine Gerät, ein Qstarz BT-Q1000XT, speichert alle 5 Sekunden den via GPS-Satelliten ermittelten Standort. Die Genauigkeit der gezeichneten Route beträgt 50m, damit die Datenmenge nicht zu gross wird.

Details für die technisch Interessierten
Die Karte und die gefahrene Route wird von einer einfachen HTML Seite dargestellt, wobei die Karten und Trackdarstellung von einem OpenLayers Skript erledigt werden.
Die dargestellten Tracks werden als GPS Exchange Format (GPX) Datei hochgeladen. Es können gleichzeitig mehrere GPS-Tracks verwendet werden. In unserem Fall sind es drei für: geplant, gefahren und Fähre/Bahn.
Die aktuelle Position, der Marker und die Zoomstufe werden zurzeit noch über die URL mitgegeben. Dies ist nicht sehr elegant, weil jedes Mal der Verweis von unserem Blog angepasst werden muss. Wenn jemand den Direktlink speichert, kriegt er unter Umständen die falsche Position angezeigt. Falls jemand einen Tipp hat, wie die Position aus einem der GPX Files gelesen werden kann, bitte einen Kommentar hinterlassen.

Die Tracks
Vor dem Hochladen reduzieren wir die Genauigkeit der Tracks mit GPSBabel auf 50m, um die Datenmenge zu reduzieren (und die Pinkelhalts am Strassenrand zu verschleiern) ;-). Dies wird von einem kleinen, selber gebauten BASH-Skript erledigt, das zusätzlich Zeitstempel und weitere für die Darstellung unnötige Informationen entfernt. Zudem fügt das Skript (mit der Option „merge“), mit GPSBabel, den neuen Streckenabschitt mit den bisherigen zusammen und gibt die fixfertige Datei zum Hochladen auf den Server aus. Das Ganze erledigen wir übrigens unter Linux (Kubuntu).
Das Skript kann hier heruntergeladen werden.

Das HTML File gibt’s hier (Quellcode anzeigen und kopieren).

Fragen und Tipps gerne als Kommentar.

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Endlich in Griechenland

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Das lange herbeigesehnte (zumindest vom weiblichen Teil des Teams) Ziel „griechische Inseln“ ist erreicht, wir sind in Chios angekommen. Hier und auf einer zweiten griechischen Insel werden wir nun etwas verweilen. Der Gedanke, nun länger an einem Ort zu bleiben, nicht konstant unterwegs zu sein und zu packen, ist schön.
Die Reise hierhin war ein weiteres Mal abenteuerlich; die Geschichten von türkischen Bahnschaltern, nächtlichen griechischen Zufällen und unserem neuen Liebling Hectoras folgen…

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Karten und Navigation

Kleiner Hinweis zu Beginn: Dieser Beitrag dürfte eher für die technisch Interessierten spannend sein.

Wir haben mit unserer Reise das Experiment gewagt, auf Papierkarten zu verzichten und uns mit dem Galaxy Tab ausschliesslich auf elektronische Karten auf Basis von OpenStreetMap zu verlassen. Jetzt, am Ziel angekommen, können wir ein durchaus positives Fazit ziehen. Es funktioniert, auch wenn noch nicht alles perfekt ist.

Die OpenStreetMap Karten

OpenStreetMap (OSM) ist eine freie Landkarte und wird, ähnlich wie Wikipedia, weltweit von Freiwilligen erstellt. Auf Basis von GPS Tracks (Streckenaufzeichnungen von GPS-Geräten) werden Strassen, Orte und viele weiteren Informationen eingetragen. Mittlerweile liefern auch viele Behörden und Organisationen Daten direkt an OSM. Die Qualität und Vollständigkeit der Daten ist in vielen Gebieten beeindruckend, besonders in grösseren Städten (siehe z.B. Bern oder Istanbul). Für Radfahrer ist OpenCycleMap interessant. Die Karte basiert ebenfalls auf OSM, stellt aber für Radfahrer relevante Informationen (z.B. Radwege) speziell dar.

Wir haben festgestellt, dass die Vollständigkeit der Karten gegen Osten deutlich abnimmt. Wobei auch hier grössere Städte meist gut kartografiert sind. Die wichtigsten Strassen und die meisten Orte sind aber eingetragen. Es fehlen Nebenstrassen und Feldwege sowie Informationen über Hotels, Restaurants, Läden und weitere Details.

Der Donau entlang bis und mit Serbien sind wir dem EuroVelo 6 Weg gefolgt, der relativ gut ausgeschildert ist. Für Serbien hatten wir zudem das Glück, einen vollständigen GPS Track der EuroVelo6 Route zu haben (siehe hier). So waren fehlende Strässchen auf der Karte kein Problem, da uns der Track den Weg wies. Die Beschilderung ist zudem, mit einigen Ausnahmen, ausgezeichnet, so dass man in Serbien fast nach Wegweiser fahren könnte. AbBulgarien ist die EuroVelo Route nicht mehr ausgeschildert und auch auf der OSM Karte nicht eingezeichnet. Für uns spielte dies keine Rolle, denn wir sind von der Donau in die Berge abgezweigt und haben uns an die Hauptstrassen gehalten (geeignete Nebenstrassen gibt es leider keine). Auch in der Türkei sind die grösseren Strassen eingetragen, wenn auch die Lücken hier noch etwas grösser sind als in Bulgarien. Für unsere Bedürfnisse war die Karte genügend.

Judith hat während der Tour einen GPS-Logger mitgeführt. Mit diesen Daten haben einerseits unsere Karte gefüttert, damit ihr immer seht, wo wir durchgefahren sind. Und anderseits hat Pascal bereits begonnen fehlende Strassen auf OSM nachzutragen, so dass die Karten für nachfolgende Radler schon besser sind.

Das Samsung Galaxy Tab

Das Galaxy Tab 7″ ist unsere Wunderwaffe, unser alles in einem Gerät: Karte, Navi (GPS), E-Mail, Internet, Telefon (Mobile und VoIP), Panoromakamera, Nachschlagewerk und Musikbox. Es ist uns während der Reise fast ein bisschen ans Herz gewachsen. Der 7-Zoll grosse Bildschirm hat sich bewährt, um Karten zu betrachten und das Gerät ist noch klein genug, um es auf die Lenkertasche zu schnallen. Für die Navigation und Kartendarstellung haben wir folgende Tools (für Android) verwendet. Alle Nutzen OpenStreetMap Daten.

OSMAND+
Mit OSMAND kann man die Kartendaten für ausgewählte Regionen aufs Gerät herunterladen, was einem ermöglicht, die Karten offline ohne Datenverbindung zu nutzen. Besonders praktisch bei OSMAND ist die Möglichkeit, bestimmte „Points of Interest“ (POI) wie z.B. Campingplätze, Hotels etc. anzeigen zu lassen. Die aktuellste Version von OSMAND+ bietet auch offline Routing (auch speziell für Velo) und kann somit als Navi genutzt werden. Praktisch ist auch, dass es die Ortsnamen in lateinischer Schrift anzeigen kann, was in Bulgarien und Griechenland ein grosser Vorteil ist. OSMAND ist Open Source und deshalb besonders sympathisch. Während unserer Reise ist es mit jedem Update besser geworden. Trotzdem gibt es noch ein paar Schwachstellen. Das Routing über weite Strecken funktioniert noch nicht zuverlässig und die Karte zeigt immer wieder Darstellungsprobleme. Auch die Navifunktion kann noch nicht mit NavDroyd mithalten.
OSMAND+ auf Android Market

NavDroyd
NavDroyd ist zurzeit wohl das beste Navi mit OpenStreetMap Karten für Android Geräte. Um in eine Stadt rein- und wieder rauszukommen ist es genial. Auch für die Berechnung von Strecken ist es bestens geeignet und sehr schnell. Als Übersichtskarte ist es leider weniger gut brauchbar, weil viele Details erst bei grösseren Zoomstufen angezeigt werden. In der Übersicht werden nur Autobahnen und die grösseren Orte angezeigt. Toll wäre, wenn mehr Details wie z.B. die grösseren Flüsse angezeigt würden. In Städten ist NavDroyd übrigens eine top Stadtkarte. Auch NavDroxd hat das eine oder andere Renderingproblem, aber deutlich weniger als OSMAND.
NavDroyd auf Android Market

Maverick
Maverick ist ein einfaches aber praktisches Kartendarstellungstool. Es kann verschiedene Onlinekarten nutzen, darunter auch OSM und die OpenCycleMap. Wir verwenden es hauptsächlich mit OpenCycleMap, um uns eine Übersicht über die Topografie und die Velowege zu verschaffen. Maverick hat keine Option, ganze Regionen herunterzuladen, um diese dann offline zu betrachten. Es speichert aber einmal angeschaute Ausschnitte und kann so trotzdem offline verwendet werden. Es kann auch anderen Karten wie Google oder Bing verwenden. Die Google Satellitenbilder haben wir gelegentlich auch verwendet.
Maverick auf Android Market

Fazit

Die elektronischen Karten auf OSM Basis und das Galaxy Tab haben sich bestens bewährt. Ein wichtiger Vorteil liegt im geringen Gewicht, das Galaxy Tab ist keine 500g schwer, ohne die Bits und Bytes der Kartendaten. 😉 (Wir haben Leute getroffen die kiloweise Karten und Bücher der Donau-Route mitgeschleppt haben.) Ein weiterer Vorteil ist die einfache Verfügbarkeit; Karten von neuen Ländern sind schnell heruntergeladen und immer auf dem aktuellsten Stand. Und wohl unschlagbar ist die Tatsache, dass man sowohl Übersichtskarte und detaillierten Stadtplan gleichzeitig dabei hat.

Einer der wenigen, aber wichtigen Nachteile gegenüber einer Papierkarte ist die schlechtere Übersichtlichkeit. Ein kleiner 7-Zoll Bildschirm, wo man die Karte herum schieben muss, kann mit einer grossen Papierkarte natürlich nicht mithalten.

Und nicht zu vergessen, das Galaxy Tab braucht Strom! Dank dem Zzing hatten wir aber immer genügend Strom, auch wenn wir mal ein paar Tage keine Steckdose gesehen haben.

Ob elektronische oder Papierkarten für jemanden das richtige sind, ist also primär Geschmacksache.

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Highway to hell, resp. Istanbul

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Um es vorneweg zu nehmen. Wir sind gestern heil in Istanbul angekommen.
D-100 heisst der Albtraum der Tourenvelofahrer, die nach Istanbul wollen. Alternativen gibt es keine. Zwei oder mehr Spuren pro Fahrtrichtung und leider nicht immer ein Pannenstreifen, der sich zum Velofahren eignet. Je näher man der Stadt kommt, desto mehr Verkehr hat es und ein Gewirr von Spuren, die zusammen kommen und sich wieder verzweigen.
Das Unglück erreicht uns aber schon 50km vor dem Ziel. Ein unaufmerksamer Lastwagenfahrer fährt Pascal von hinten auf den Anhänger auf. Pascal wird von Velo geworfen und springt geistesgegenwärtig an den Strassenrand. Zum Glück war der Verkehr nicht schnell und der Lastwagen steht schon. Der Schaden an Mensch und Maschine halten sich zum Glück auch in Grenzen. Ein paar Kratzer an Pascal, eine angeknackste Felge und abgebrochene Fahnenstange am Anhänger. Aber der Schrecken bleibt. Eine Stunde später, nachdem jede Polizeipatrouille in der Gegend vorbeigekommen war, um uns zu besichtigen, fahren wir weiter. Das mulmige Gefühl weicht bald wieder der vollen Konzentration auf den Verkehr. Auch einen weiteren Sturz von Pascal auf dem glitschigen Boden, einen Platten und 2 Beinahkollisionen zwischen unseren Rädern überstehen wir noch.
Am Abend treffen wir in Sultanahmet ein, wo unser Hostel gleich unterhalb der blauen Moschee liegt. Müde und glücklich es geschafft zu haben, fallen wir ins Bett.
Und übrigens, von Bern nach Istanbul sind es 3’147 Velokilometer. 🙂

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Nach 2’903km in der Türkei angekommen

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Es ist heiss hier. So heiss, dass man nicht anhalten will, wenn es keinen Schatten in der Nähe hat, weil sonst der Fahrtwind nicht mehr kühlt. Und so heiss, dass sich grosse Gewitterwolken zusammenbrauen. Als wir nach unserer Mittagspause Svilegrad verlassen, wirbelt der Wind Staub und Strassendreck durch die Luft. Wir schaffen es grad noch unter ein Vordach, bevor es vom Himmel schüttet wie aus Eimern, inkl. haselnussgrossen Hagelkörnern. Wie immer dauert es nicht lange. Nach total 2’903km treffen wir in Edirne und damit in der Türkei ein. Ein neues Land und eine neue Kultur. Moscheen, Minarette und Muezzine. Und Baklava ;-)!

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Belgrad – Sofia (Teil Bulgarien und die zwei längsten Kilometer)

Und hier noch Teil zwei…

„Schön willkommen in Bulgarien“, heisst es am EU-Grenzposten. Pascal ist grad noch schnell genug, ein Bild zu schiessen, bevor auch er einen Rüffel von der Grenzbeamtin kriegt (diese Schweizer Touris, man weiss doch, dass man an Grenzübergängen nicht fotografieren darf!). Sie lässt uns trotzdem rein und wünscht uns eine gute Reise. Bulgarien empfängt uns mit unverhältnismässig breiten Strassen (es hat hier aber praktisch keinen Verkehr) und freundlichen Menschen. Kaum stehen wir etwas verloren an einer Kreuzung, weisen uns die Leute schon den Weg. Das wir nach Vidin wollen, scheint eh klar zu sein. Wohin sollten wir den sonst wollen…

Hilfsbereite Frau in Bulgarien

Die Landschaft in Bulgarien ist ganz anders als in Serbien. Eine enorme Weite umgibt uns. Sehr schön. Wir fahren über die erstaunlich guten, fast leeren Strassen (EU-Gelder?) und über ein paar sanfte Hügel nach Vidin. Dort ist grad das Fest zum Tag der Kinder im Gange. Wir holen uns am Bankomaten zuerst Bulgarisches Geld. Wie immer ohne zu wissen, wie die Währung heisst, resp. wie der Wechselkurs ist (wir sind da ein bisschen Ignoraten oder einfach schlecht vorbereitet, aber wenn man etwa die 4. Möglichkeit der vorgeschlagenen Beträge anwählt, kommt es nicht so schlecht raus). Wir kriegen für 7 ebendieser Währung ein riesiges Glacé! Neben den Euros, den ungarischen Forint, den kroatischen Kuna und den serbischen Dinar haben wir nun also auch noch bulgarische Lev. Das Währungsdurcheinander in unseren Portemonnaies ist komplett.

Riesen Gelati in Vidin

Wir wollen nicht in der Stadt bleiben und fahren weiter. Als es so langsam einzudunkeln beginnt, suchen wir uns ein Plätzchen für unser Zelt direkt am Donauufer. Etwas versteckt zwischen den Büschen stellen wir unser Schloss auf, waschen uns in der Donau den Schweiss und Strassendreck ab (zum ersten Mal überhaupt, dass wir in der Donau baden (bis in der Slowakei war es noch etwas zu frisch und in Serbien ist die Donau sehr schmutzig), aber Judith fand, dass das ein absolutes Muss ist!) und kochen uns was Feines. Vom ru mänischen Ufer tönt die ganze Nacht laute und freudige Musik. Es scheint ein grösseres Fest im Gange zu sein, aber sehen können wir nichts, ausser des funkelnden Sternenhimmels und blinkenden Glühwürmchen.

Blick aus dem Zelt am Donauufer

Vor unserer Passüberquerung wollen wir in Montana übernachten, um etwas Energie zu tanken. Auf unserer Karte ist von Montana noch nicht viel drauf, aber wir sehen einen See und zwei Hotels. Wir witzeln, dass es sicher ein tolles Ferienressort mit Thermalbad und so weiter ist. In der Tat trägt das eine Hotel 4 Sterne und scheint ganz neu zu sein. Für umgerechnet nicht einmal 50 Euro pro Nacht gönnen wir uns diese Dekandenz als Kontrast zum einfachen Zelten ganz gerne mal.
Der Weg nach Montana ist spannend, immer wieder staunen wir über die Gegensätze in diesem Land: Grosse, teure Autos neben Eselkarren, breite gute Strassen und dann wieder Strassen mit Schlaglöchern ohne Ende, chice wohlhabende Leute und sehr einfache Bauernleute, moderne Glasbauten neben heruntergekommenen Plattensiedlungen…
In Montana angekommen merken wir plötzlich, dass wir seit ein paar Tagen eine Stunde verschoben leben. Die Zeitumstellung, eine Stunde später gilt bereits in Bulgarien, nicht wie wir meinten erst in der Türkei. Aber bei unserem momentanen Lebenswandel spielt das ja keine grosse Rolle…
Weil das Wetter am Folgetag so schlecht ist, entschliessen wir uns, die Passüberquerung um einen Tag zu verschieben. Judith versinkt im Initial Hearing mit Ratko Mladic (www.icty.org) und Pascal verbessert die Welt mit Kartografieren der Orte bzw. Strassen, die wir bisher passiert haben und noch nicht auf OpenStreetMap eingetragen sind.
Während des Abendessens läuft im Fernsehen der Match Federer – Djoković (in Restaurants und Bars läuft hier immer und überall mindestens ein Fernseher). Wir sind froh, Serbien bereits verlassen zu haben, als Roger den Serben vom Platz fegt. Sonst hätten wir wohl unser Fähnlein für einen Tag in die Tasche stecken müssen. 😉
Später am Abend werden wir einmal mehr Zeugen eines Gewitters. So etwas heftiges haben wir noch nie gesehen: Eine pechschwarze Front schiebt sich bedrohlich immer näher. Die Wolken haben Ausläufer, die aussehen, als ob ein riesiger Vogel langsam auf uns zukommen würde. Es wird regelrecht dunkel, die Farben der Landschaft nehmen ganz surreale Töne an. Immer wieder kracht es und Blitze erhellen den Himmel. Der See wird schwarz, der Strom fällt aus…

Heftige Gewitterfront in Montana


Nachts um 3 Uhr klingelt plötzlich das Telefon in unserem Zimmer. Eine Stimme am anderen Ende fragt: „Is there water in your room?“. Was, hä?!? Pascal sagt schlaftrunken, nein, da sei kein Wasser in unserem Zimmer (die bulgarischen Abflüsse in der Mitte des Badezimmers sind für uns zwar schon etwas anders, aber nein, wir haben das Badezimmer nicht geflutet beim Duschen…). Die Stimme am Telefon bittet Pascal, doch im Zimmer noch nachzuschauen, ob denn da nun wirklich kein Wasser sei. Pascal torkelt in unserem Zimmer herum und kann der Stimme am Apparat noch immer keinen positiven Bericht geben.  Irgendwelche Menschen machen sich auf unserem Balkon zu schaffen, Taschenlampen leuchten wild umher. Da die Vorhänge nicht ganz gezogen sind, fühlen wir uns etwas im Schlaf beobachtet. Wir schliessen die Vorhänge und hoffen, dass das Wasserproblem gelöst werden kann und versinken augenblicklich wieder in der Traumwelt. Am nächsten Morgen stellen wir fest, dass im Speisesaal unter uns Wasser aus der Decke, also genau unter unserem Zimmer, ausgetreten ist. Grund war offenbar der verstopfte Ablauf auf unserem Balkon.

Ruhetag in Montana macht Judith glücklich, Pascal auch. 😉

Guten Mutes für den grossen Tag der Passüberquerung machen wir uns morgens für unsere Verhältnisse früh auf den Weg. Wir denken, wir seien schlau und nehmen eine Abkürzung über einen Feldweg. Das ist wohl unser bisher grösster Fehler. Infolge des heftigen Gewitters des Vorabends entpuppt sich der harmlos aussehende Feldweg als regelrechte Leimpiste. Unsere Velos stecken fest, die Räder blockieren vom Lehm, der sich überall sofort in dicken Schichten klebt. Jeder Zentimeter wird zum Kampf. Wir stossen die Velos, doch rutscht man mit den Schuhen ständig aus. Judith kommt etwas besser voran, da sie nur 2 Räder hat, Pascal mit seinem Anhänger steckt komplett fest. Zu zweit können wir aber dann auch Pascals Velo befreien. Pascal trägt die Tasche, Judith hievt das Velo vorwärts, am Schluss tragen wir das Velo zu zweit. Zwar war dieser Feldweg nur etwa 2 Kilometer lang, aber er hat uns etwa eine Stunde gekostet und wir sind am Ende schweissgebadet und KO. Und das vor der eigentlichen Herausforderung, dem Pass Petrohan… Nach einer kleinen Stärkung fahren wir weiter. Zum Glück ist die Passstrasse vorwiegend im Wald und es ist nicht allzu heiss. Langsam aber stetig pedalen wir uns auf die 1444 m.ü.M. Viele Autofahrer hupen und winken uns zur Ermutigung. Velofahrer scheinen hier nicht zum alltäglichen Bild zu gehören. Es geht alles gut und so freuen wir uns oben angekommen auf die Talfahrt. Nach einer Weile entpuppt sich diese leider, zum Leidwesen von Judith, mit der jetzt nicht mehr so gut Kirschen essen ist, als Berg- und Talbahn. Nach jedem Runter kommt wieder ein Rauf. Die Kräfte sind schon etwas aufgebraucht und so werden die folgenden Kilometer zur Qual. Aber wie wir langsam wissen, muss man Judith, sobald sie etwas „gnietig“ wird, etwas zu Essen geben, dann geht’s meist wieder besser. Und so ist es auch dieses Mal. Und wir gelangen nach einem langen, anstrengenden Tag doch noch nach Sofia, bzw. nach Bankya zu Ivan und Rumy und ihrem Sohn (Bekannte von Pascals Chefin), die uns mit dem Auto zu ihrem Zuhause lotsen. Nach einer Dusche, einem feinen Znacht u.a. aus dem Garten der beiden und einer Einführung ins selber Joghurt machen, fallen wir todmüde ins Bett und sind froh, den Tag überstanden zu haben.

Lehm wie Leim blockiert die Räder

Morgens poltert der kleine Jasin (verzeiht Ivan und Rumy, wir sind uns über die Schreibweise des Namens nicht sicher) an unsere Türe. Er findet es offenbar spannend, fremde Gäste zu Hause zu haben. Insbesondere unseren kleinen tragbaren Kugelradio und den Fotoapparat findet er super. Jedesmal, wenn er es schafft, den Radio einzuschalten oder den Sender zu wechseln, quitscht er vor Vergnügen. Wir reden auf Schweizerdeutsch mit ihm, was ihn überhaupt nicht zu irritieren scheint. Mit seinen zwei Jahren versteht er auch auf Bulgarisch noch nicht alles ;-).
Ivan bietet uns die Wohnung seiner Mutter an, die auf der anderen Stadtseite Sofias liegt. Um uns eine bessere Ausgangsposition zu verschaffen, radeln wir an unserem Ruhetag die 30 km durch die Stadt. Da Sonntag ist, herrscht einerseits nicht so viel Verkehr und andererseits haben wir am nächsten Tag nur noch 150 km bis nach Plovdiv zu bewältigen. Danke Ivan und Rumy!

Bei unseren Gastgebern in Sofia

Übrigens:

  • Unser Blog mag meist abenteuerlich und toll klingen. Aber es gibt, so sehr wir unsere Tour lieben, auch ein paar Dinge, die mühsam und anstrengend sind: Tägliches Packen, nie Ankommen, bellende, freilaufende Hunde, jeden Tag Sonnencreme einschmieren, eng überholende, stinkende und rauchende Autos und Lastwagen, Schlaglöcher, Anziehen der salzig, feuchten Velokleider morgens im Zelt, Mücken, Fliegen, die einem mit gefühlten 50 km/h ins Gesicht donnern, Riesenspinnen im Zelt. Doch nehmen wir das alles gerne in Kauf!
  • Liebe Bulgaren, die Bremse ist das mittlere der drei Pedalen. Man darf sie gerne auch benutzen. Und nein, Hupen ersetzt das Bremsen nicht. Überholen scheint in Bulgarien ein Volkssport zu sein. Immer und überall wird überholt, sehen was von vorne kommt ist hier optional. Als Velofahrer findet man es nicht sehr lustig, wenn einem plötzlich ein Auto mit 100 km/h auf der eigenen Spur entgegenkommt und mit nur einem Meter Abstand vorbei rast. Offenbar ist neben der Automarke auch das Überholen wichtig für die soziale Rangordnung.
  • Hupstudie:
  1. Mehrmaliges Hupen mit Winken = gut, Autolenker hat Freude an uns.
  2. Mehrmaliges Hupen ohne Winken = dito.
  3. Einmaliges Hupen ohne Winken = wohl nicht gut, Autolenker nervt sich über uns.
  4. Lastwagen hupt = Lastwagen hat zwar Freude und will grüssen, evt. auch warnen, dass er kommt. Judith aber hat regelmässig einen halben Schock, so eine Lastwagenhupe 2 Meter neben dem Kopf, das geht durch Mark und Bein und haut einem fast aus dem Sattel.
  • Uns scheint, wir haben Sylvans Reifenabdrücke gesehen. Ob er wohl schon in Istanbul ist? 😉

In Bulgarien sind wir übrigens halbe Analphabeten. Hier wird eine Variante der kyrillischen Schrift verwendet. Die Orts- und Strassenschilder sind zum Glück meist auch in lateinischer Schrift angeschrieben. Im Restaurant oder im Laden wird es etwas abenteuerlicher. Meist verstehen wir nur Bahnhof. Tourismus ist hier noch nicht so verbreitet und es gibt in Restaurants meist keine englische Speisekarte. In Sofia haben wir das Vergnügen, eine Pizzakarte in kyrillischer Schrift zu entziffern. So langsam machen unsere Schriftkenntnisse Fortschritte und wir können hinter den kryptischen Zeichen Sachen wie „Mafioso“, „Calzone“, etc. entziffern (zum Glück sind Pizzanamen international!). So kommen wir doch zu was Feinem zu essen.
Eine weitere Eigenart der Bulgaren ist übrigens bei einem „Ja“ leicht den Kopf zu schütteln (Danke Tine für die Vorwarnung). Auch dies führt manchmal zu kurzer Verwirrung.

Menüs in kyrillischer Schrift sind für uns ein kleines Rätsel

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