Inselhüpfen: Chios – Samos – Mykonos – Naxos

Romantischer Sonnenuntergang auf Naxos

Trotz Nachwehen vom Generalstreik sind wir am Freitag doch noch in Naxos angekommen. Auch unsere Velos haben die Reisen auf den Fähren zwischen Lastwagen und furchterregenden Kofferbergen heil überstanden. Hier geniessen wir die letzten Tage auf einem Camping direkt am Meer, bevor wir am Donnerstag die Heimreise via Athen, Venedig und die Alpen antreten werden.

P.S. Die ersten Bilder sind auf Flickr (auf Bild oben klicken) und unter Route haben wir endlich auch die einzelnen Tagesetappen im Detail aufgeführt.

P.S.2 Auf dem Velo hat man viel Zeit zum Nachdenken und am Strand dann auch zum Schreiben. Was bei Pascal dabei herauskommt, kann man in seinem anderen Blog nachlesen. 🙂

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Wir stecken auf Samos

In Athen scheint Krieg zu herrschen. Am griechischen Fernsehen werden unschöne Szenen beinahe in Endlosschlaufe gezeigt. Hier in Samos ist die Lage ruhig, Ferienstimmung halt. Gestern hat es aber auch hier eine kleine, friedliche Demo gegeben.
Eigentlich wollten wir heute mit der Fähre weiter nach Naxos (über Mykonos). Doch wegen Nachwehen des Streiks fuhr die Fähre nicht. Morgen soll aber eine kommen, sagen sie. Mal sehen.
Und in einer Woche werden wir uns in Athen das Schlachtfeld ansehen müssen. Hoffentlich ist bis dann der Krieg vorbei. Und hoffentlich steht der Veloladen noch, der die neue Felge bereit hält.

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Felgenriss…

Felgenriss wegen Bremsabnutzung

Glücklicherweise sind wir bisher von grösseren Pannen verschont geblieben. Doch vor ein paar Tagen hat meine Hinterfelge das Zeitliche gesegnet. Vom Bremsen ist die Seitenwand dünn geworden und hat nun einen Riss (die Felge war schon 5 Jahre alt und im harten Stadteinsatz). Bemerkbar gemacht hat sich der Bruch durch ein komisches, ruckartiges Bremsverhalten. Um auf Chios ohne Gepäck rumzufahren ging es bisher noch. Aber die Alpen kann ich so nicht überqueren. Ein Bikeshop in Athen ist bereits alarmiert und hält eine neue Felge bereit. Ich hoffe solange kann ich noch so weiterfahren.

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Bye bye Chios, Land of Homer

 

Judith auf Chios Strassen

Heute verabschieden wir uns nach fast zwei Wochen von Chios (wir wollten anfangs nur ein paar Tage bleiben…), das uns mit seinen bergigen Landschaften & wunderschönen Buchten sehr gefallen hat. Der Weg führt uns mit Fähren – so die streikenden Griechen denn wollen – via Samos nach Naxos.

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Istanbul Impressionen

Bilder sagen mehr als tausend Worte… Hier ein paar Eindrücke von Istanbul.

Die Blaue Moschee
Pascal bei der Blauen Moschee
Hagia Sofia – Und da stellen wir auch noch eins hin… 😉
Istanbul ist ein geschäftiger Basar
Knöpfe en masse
Grosse, historische Zisterne
Hagia Sofia – Erst Kirche, dann Moschee und heute mehr ein Museum
Der europäische Teil von der Fähre aus
Brotauslage
Einer von vielen schönen Ecken

Weitere Bilder gibt’s wie immer auf unserer Flickr Seite.

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GPS Tracks des serbischen Teils der EuroVelo6 Route

Auf Donau-Info gibt es detailierte GPS-Tracks vom serbischen Teil der EV6 Route. Leider sind diese Daten in einem proprietären, nicht sehr verbreiteten Format. Mit GPSBabel und etwas Handarbeit konnte ich diese in einfacher zu nutzendere GPX Files konvertieren. Diese können hier als ZIP Datei heruntergeladen werden. Vielleicht sind sie auch jemandem anderen nützlich.
Unterwegs haben wir zufälligerweise Ciklonaut, den Urheber der Daten angetroffen. Er hat uns die Erlaubnis gegeben die Tracks auch auf OpenStreetMap hochzuladen. Danke! Jetzt müssen die Daten nur noch in die OSM-Karte eingearbeitet werden. Da gibt’s noch viel zu tun.

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Sofia – Istanbul oder wie wir Konstantinopel erobert haben

Dieser Blogbeitrag kommt mit etwas Verspätung. Wir sind bekanntlich bereits auf Chios, einer griechischen Insel vor der türkischen Küste. Und es ist schön hier! 🙂

Sofia verlassen wir über die Autobahn. Aber Radfahren ist hier zum Glück erlaubt, weil es gleichzeitig noch eine „normale“ Überlandstrasse ist. Der Pannenstreifen bietet sich zum Velofahren bestens ans (Warum eigentlich ist Velofahren auf der Autobahn verboten? Wäre noch cool auf dem Pannenstreifen der A1 von Bern nach Zürich fahren zu können ;). Den Verkehrspolizisten winken wir fröhlich und im Sinne von „Flucht nach vorne“ zu. Nach einer kurzen Weile, man kann sie förmlich denken sehen, winken sie uns zurück. Also wirklich alles OK mit Velo und Autobahn. Nach 10km ist der Spass zu Ende. Die Überlandstrasse zweigt von der Autobahn ab und mit ihr auch wir. Es hat nicht viel Verkehr und die Strasse ist gut. Das Wetter auch, trotz relativ schlechten Wetterbericht.

Es geht leicht hinauf, weil wir einen Hügelzug queren müssen. Aber nach dem Petrohan ist das alles Peanuts ;). Bereits auf der anderen Seite, nach der Mittagspause, sieht die Strasse weiter vorne plötzlich aus, als sei sie überschwemmt worden. Als wir näher kommen, sehen wir, dass es einfach Schlaglöcher ohne Ende sind. Wir sind ziemlich erstaunt. Bis dahin war die Strasse echt gut und plötzlich ist sie das reinste Mienenfeld (dafür hat’s keinen Verkehr). Nach ein paar Kilometern wird es dann plötzlich wieder besser.

Und plötzlich hat die vormals gute Strasse Schlaglöcher ohne Ende

Wir können ziemlich viel Höhe aufbrauchen und so geht es meist runter. Die Strasse ist gesäumt von Bergen und die Häuser sehen aus wie im Tessin. Mit der Bahnlinie, die sich auch noch durch Tal schlängelt, kommen schon fast heimische Gefühle auf. Das wir doch nicht im Tessin sind, bemerken wir, als plötzlich WC-Papierstapel in allen Farben am Strassenrand stehen. Im Dorf gibt es eine grosse Papierfabrik und, wie wir schon früher bei Erdbeeren und Honig beobachten konnten, wird in Bulgarien jeweils nur ein Produkt pro Dorf verkauft. Dafür gleich an jeder Strassenecke. Hier also zur Abwechslung mal WC-Papier.

Das Dorf mit der WC-Papier-FabrikDas Dorf mit der WC-Papier-Fabrik

Nachdem wir die Höhe aufgebraucht haben, bekommt die Landschaft wieder die gewohnte bulgarische Weite. Wir bewegen uns durch das Gemüseanbaugebiet. Wenn nicht Getreidefelder bis zum Horizont wachsen, dann sind es Gewächshäuser mit Tomaten oder anderem Gemüse. Die meisten Gewächshäuser scheinen noch aus Sowjetzeiten zu stammen und viele sind auch nicht mehr genutzt (resp. Ersatzteillager für die noch im Einsatz stehenden).

Bis am Abend schaffen wir das, gemäss Ivan, Unmögliche und kommen nach fast 150km in Plovdiv an. Hier gibt’s, glaubt man unserer Karte, einen Zeltplatz, wo wir nächtigen wollen. Unter der Bedingung, dass er einigermassen OK ist und nicht die halbe Welt kostet. Wir treffen auf ein imposantes Eingangstor mit Rezeption daneben. Der Camping sieht aus, als wäre er früher einmal ein „Luxus“-Campingplatz gewesen. Wunderschöne Anlage mit stattlichen Bäumen. Nur leider scheint der Unterhalt heute etwas vernachlässigt zu werden. Wir bleiben trotzdem.

Am Morgen haben wir alle möglichen Viecher am und ums Zelt. Zum Glück ist das Innenzelt insektendicht. So treffen wir z.B. grosse Spinnen und Käfer. Die Glühwürmchen, die sich nachts auf unser Zelt setzten und die man von innen leuchten sah, sind auch verschwunden. Sie glaubten wohl, unser Zelt sei ein „Riesenglühwurm“, da es mit unserem Licht drinnen von aussen grünlich schimmert. Nach einem ausgedehnten Frühstück im Stadtzentrum von Plovdiv, machen wir uns wieder auf den Weg. Bei einer Pause kommt es mal wieder zu einer dieser Zufallsbegegnungen. Wir halten bei einem Cafe und da sitzt zufällig eine Tourenradfahrerin. Stefanie (travelmadhouse) ist nach 2 Jahren alleine unterwegs auf dem Heimweg von Australien nach Deutschland. Wir bleiben natürlich eine Weile sitzen und quatschen.

Stefanie probiert Pascal's Velo mit Anhänger aus

Die lange Etappe vom Vortag hat an unseren Kräften gezehrt und auch Judith’s Hinterteil ist von den vielen Stunden im Sattel etwas lädiert. In Haskovo nehmen wir uns ein Hotelzimmer im Zentrum und entscheiden uns, einen spontanen Ruhetag einzulegen. Das Hotel ist etwas gespenstisch. Es befindet sich in einem riesigen Haus. Allerdings ist nirgends eine Rezeption angeschrieben. So arbeitet sich Judith systematisch durch die Stockwerke durch, bis sie fündig wird. Das Zimmer kostet umgerechnet etwa 12 CHF pro Nacht für uns beide. Die Zimmer sind im 70-er Jahre Stil eingerichtet, witzig aber etwas heruntergekommen. Und es hat Mäuse. Aber uns gefällts. Vor dem Hotel kommt es nochmals zu einer lustigen Begegnung. Ein Bulgare, der bei unserer Ankunft ganz interessiert war an unseren Velos, kommt mit zwei Männern in Lederhosen angelaufen. Wir meinen schon von den Bayern eingeholt zu werden, aber die zwei entpupen sich als die berühmt berüchtigten „Zillertaler Schürzenjäger“. Sie geben heute Abend ein Privatkonzert in Haskovo. Wir hüten uns davor, da hinzugehen. 😉

Das Provinznest Haskovo entpuppt sich als kleine Perle. Schönes und gepflegtes Stadtzentrum, lebendiger Markt, viele Restaurants und coole Bars. Zweisprachige Menukarten sind hier zwar seltener, somit bleibt uns nichts anderes übrig als Bestellung ins Blaue. Was aufgetischt wurde war aber sehr lecker! Und wie überall in Bulgarien gibt es auch hier ganz viele Casinos. Hier herrscht wohl Casino-Liberalisierung oder so was. Böse Zungen behaupten übrigens, dass sie zum Waschen der veruntreuten EU-Gelder dienen…

Vorher...

.. und nachher, breit zum Losfahren

Von Haskovo ist es nur eine Tagesetappe bis an die türkische Grenze in Edirne. Drei Jungs auf zwei kleinen Velos fordern uns implizit zu einem Rennen auf. Wir staunen, wie schnell sie mit den kleinen Rädern und zu zweit sind und wie halsbrecherisch und doch sicher sie über den Asphalt düsen. Wie immer ist es sehr heiss und auch wie immer ziehen irgendwann Gewitterwolken auf. Diesmal trifft es uns nach der Mittagspause. Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig unter ein Dach als es losgeht. Es schüttet wie aus Eimern und plötzlich mischen sich auch noch haselnussgrosse Hagelkörner drunter. Eine halbe Stunde später ist alles wieder vorbei und der Himmel klärt auf. Die Strassen dampfen und auf dem Velo wähnt man sich zeitweise im Dampfbad.

Dampfende Strasse nach Gewitter

Die vielen türkischen Lastwagen, die uns entgegenkommen, deuten auf die nahende Grenze. Der Grenzübergang wirkt völlig überdimensioniert. Man glaubt sich auf einem Flughafen zu befinden. Duty-Free-Shops gibt’s hier auch, nur die Start- und Landepisten fehlen. Wir dürfen die stehende Autokolonne überholen, um noch ein drittes Mal unseren Pass zu zeigen. Worin der Unterschied zu den ersten beiden Malen lag, haben wir nicht herausgefunden. Gleich nach der Grenze steht auch schon die erste grosse Moschee (kleinere haben wir bereits in Bulgarien angetroffen). Und die Türkei begrüsst uns auch mit grossen, breiten Strassen mit relativ wenig Verkehr. Auffällig ist auch, dass die türkische Flagge omnipräsent ist. Von Auto bis zum Gartenzaun ist hier alles mit Flaggen bestückt. Wir fahren die paar Kilometer bis Edirne, der ehemaligen Hauptstadt des osmanischen Reiches, wo wir uns ein Hotelzimmer in der historischen Kervansaray nehmen. Die Anlage war ursprünglich ein Karawanenhof, eine ummauerte Herberge an Karawanenstraßen. Reisende konnten hier mit ihren Tieren und Handelswaren sicher nächtigen und sich mit Lebensmitteln versorgen. Die Karawansereien dienten zugleich als Warenlager und Handelsplatz. Am Abend ziehen wir durch die lebhaften Strassen, essen Kebap (endlich!) und Baklava und hören den Muezzin rufen (es scheppert schrecklich aus den Lautsprechern, aber gehört wohl dazu). Klar wahrnehmbarer Kulturwechsel….

Kervansaray, unser geschichtsträchtiges Hotel in Edirne

Als wir aus Edirne rausfahren, steht da plötzlich ein „MMM MIGROS“. Wir trauen unseren Augen kaum. Sieht aus wie echt. Wie wir später feststellen werden, ist es auch (fast) echt. Es gibt sogar ein paar Schweizer Migros-Produkte zu kaufen.

Ganz oft können wir hier auf frisch geteerten Strassen fahren, die noch nicht für den Verkehr freigegeben sind. Es ist brutal heiss. Der Thermometer von Judith’s Velozähler zeigt einmal sogar 42°C (an der Sonne). Die Tankstellen werden zu unseren besten Freunden. Dort gibt’s Schatten und etwas Kühles zu trinken.

In Çurla finden wir, nachdem uns vier Leute in zwei unterschiedliche Himmelsrichtungen geschickt haben, auf der anderen Stadtseite doch noch ein Hotel. Unsere Beine sind dunkelbraun vom Strassendreck und unsere Ohren vom vielen Gehupe der Autos etwas dumpf. Die Hupanalyse in der Türkei ist übrigens einfach: HUPEN, immer und überall und vorzugsweise vier-, fünf-, sechsmal. Es ist insgesamt und grundsätzlich laut hier. Zurzeit ist gerade Wahlkampf im Gange. Auf den Strassen fahren Autokaravanen mit Plakaten der jeweiligen Parteien und Lautsprechern mit lauter, schriller und scheppernder Musik. Die Karavanen umfassen teilweise über 10 Autos. Offenbar gelten für sie andere Verkehrsregeln, denn bei rot fahren sie ungestört über die Kreuzung weiter. Auch machen wir Bekanntschaft mit einer fahrenden Hochzeitsgesellschaft, die ihrerseits mit etwa 20 Autos hupend und kreuz und quer durch Dorf fährt. Auf dem ersten Fahrzeug, eine Art Pick-up, wird die Band mitgefahren, die fröhlich dudelt und fiddelt. Im zweiten Auto sind die Brautleute, dann folgen die Gäste.

Hochzeitskaravane mit Musikern auf Pick-up

Am nächsten Tag nehmen wir unsere letzte Etappe in Angriff. Uns bangt etwas davor, da wir gehört haben, dass die Einfahrt in Istanbul furchtbar sei. Und so ist es auch… Je näher wir der Stadt kommen, desto mehr Verkehr hat das. Meist können wir auf dem Pannenstreifen fahren und dann geht es einigermassen. Aber stellenweise hat es keinen solchen. Und so kommt es, dass genau an so einer Stelle es plötzlich laut kracht und Pascal schreit und in mich reinfährt. Ich schaue zurück, sehe Pascals Velo am Boden, ihn selber durch die Luft fliegen und hinter ihm ein grosser, roter Sattelschlepper. Da es bergauf geht, war dieser zum Glück nicht schnell unterwegs. Wahrscheinlich ist er kurz eingenickt oder war einfach unaufmerksam. Auf jeden Fall ist er von hinten auf Pascals Anhänger rauf gefahren und hat Pascal dadurch einen heftigen Stoss versetzt. Zum Glück passiert nichts Schlimmes, die Felge von Pascals Anhängerrad hat einen Knacks, ist aber noch intakt. Das Schutzblech ist abgerissen, die Benzinflasche hat einen grossen Buck, das Fähnli ist abgebrochen. Und Pascal hat einige Schürfungen und eine schmerzende Schulter. Aber in Anbetracht dessen, was hätte passieren können, sind wir glimpflich davon gekommen. Der Lastwagenfahrer ist sichtlich schockiert und informiert sofort die Polizei, die ein paar Minuten später auch schon auftaucht. Da ausser uns alle nur Türkisch sprichen, werden wir per Natel mit dem Sohn des einen Polizisten verbunden, der Englisch spricht und hin und her übersetzt. Wir möchten auf die Formalitäten verzichten, da wir gegenüber dem Lenker sowieso nichts geltend machen wollen. Und vor allem, weil wir uns etwas vor der türkischen Bürokratie fürchten. Und auch, weil wir endlich in Istanbul ankommen möchten. Unser Übersetzer lacht, als wir ihm dies mitteilen und bemerkt trocken „I think that is better for you…“. Während wir dort stehen und verhandeln tauchen immer wieder neue Polizeiwagen auf. Die Polizisten, es sind am Ende ungefähr 12, steigen gar nicht mehr aus, sondern wollen offenbar einfach die Szene bestaunen kommen. Die denken wohl, wir seien sowieso verrückt… So stehen wir eine Weile und wissen nicht so recht, ob wir jetzt gehen dürfen oder nicht. Irgendwann deutet uns der am wichtigsten aussehende Polizist (seine Pistole ist am Griff verziert), dass wir doch noch auf den Posten mitkommen sollen. Uns graut. Dort angelangt, erscheint auch unser Übersetzer und lädt uns zu Tee ein. Wir lehnen dankend ab (wir möchten wirklich einfach weiterfahren) und fragen noch nach einer Alternativstrasse nach Istanbul. Alle schütteln mitleidig den Kopf. Aber offenbar sind wir auch ohne Formalitäten entlassen. Also dann, zurück in den Kampf…

Der Sattelschlepper, der in Pascal reinfuhr

Der Schock sitzt uns noch in den Knochen und so machen wir bald wieder Pause. Hungrig bestellen wir in einem Restaurant etwas, das auf einem Plakat gross angepriesen wird. Mangels Türkischkenntnissen wissen wir aber nicht, was es genau ist. Nach dem ersten Bissen stellt sich heraus, dass wir ein Innereien-Sandwich bestellt haben. Auch das noch. Heute ist nicht unser Tag. Oder doch, wir leben schliesslich noch. Nach der Hälfte geben wir auf. Da unsere Kreditkarte nicht funktioniert und wir kein Bargeld mehr haben, werden wir herzlich vom Türken am Tisch nebenan eingeladen. Wir sehen wohl mitleiderregend aus.

Die regennassen Strassen bei der Einfahrt nach Istanbul

Weiterfahren, nur noch ca. 30 km bis ans Ziel. Es regnet wie noch nie auf unserer bisherigen Reise. Da Pascal 2 seiner 3 Schutzbleche fehlen, ist er innert Kürze braun gesprinkelt. Der Verkehr ist der Horror, hupen, eng überholen, Verzweigungen, einbiegende Strassen. Im ganzen Lärm haben wir keine Chance zu hören, was der andere zu rufen versucht (rechts, links, etc.). Am besten geht’s, wenn man im Tempo des Verkehrs zu fahren versucht, wobei uns jeder Stossverkehr oder Stau entgegenkommt. Bei einer weiteren Verschnaufpause kommen zwei Rennvelofahrer auf uns zu. Es sind Türken, die sich in und um Istanbul Velo fahren. einsetzen. Sie entschuldigen sich umgehend für die hiesigen Verkehrsverhältnisse (als ob sie etwas dafür könnten). Wir danken Ihnen, dass sie trotzdem fahren. Denn mit jedem Velo auf der Strasse wird die Situation für die anderen auch etwas hoffnungsvoller.

Wo Istanbul genau beginnt können wir nicht so genau eruieren. Wir fahren schon seit längerem im urbanen Gebiet und ein Ortschild haben wir leider nirgends angetroffen. Wir finden aber einen Weg abseits der röhrenden D-100 und fahren durch Wohnquartiere. Vom vielen Regen sind überall grosse Pfützen auf der Strasse. Teilweise ist die Strasse glitschig wie Seife. Prompt rutscht Pascal in einer Kurve das Velo unter dem Hintern weg. Er bleibt zum Glück stehen.

Im Zentrum von Istanbul, entlang der Küste, sehen wir plötzlich einen schmalen Veloweg. Noch nie haben wir uns so darüber gefreut! Zwar wird er mehr als Grillierunterlage gebraucht und die Leute machen grosse Augen, wenn wir klingeln um durchzufahren. Auf dem letzten Stück nach Sultanahmed lachen wir nur noch. Die Autos stehen sich gegenseitig im Weg. Alle hupen und rufen, bei rot wird gefahren, ein einziges Chaos. Bei unserem Hostel angekommen spricht einer der Gäste Pascal an und fragt, woher wir denn gefahren seien. Bei der Anwort, aus der Schweiz, beginnt er laut zu quitschen und kann es kauf fassen. Er ruft sofort seine Tochter an, um ihr dies mitzuteilen und Pascal muss dann auch noch selber mit ihr reden und ihr versichern, dass es stimme.

Ein Fan vor dem Hostel in Istanbul

Wir sind überglücklich und dankbar, heil an unserem Ziel angekommen zu sein. Es war wunderbar. 🙂

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