Budapest – Belgrad (Teil 1 bis Apatin)

Nach den zwei erholsamen Tagen in Budapest war es eine wahre Freude, mit frischen Muskeln wieder auf der Strasse zu sein! Nach einigen Wirrungen haben wir auch zurück auf den Eurovelo 6 Weg (Veloweg vom Atlantik bis ans Schwarze Meer), dem wir noch eine Weile folgen wollen, gefunden. Die kläffenden Hunde machen mir (Judith) etwas Mühe, insbesondere dann, wenn sie weder angebunden noch eingezäunt sind und mir plötzlich hinten nach rennen, erst links vom Velo, dann rechts, ich spüre gedanklich schon die Zähne in meinen Wadli, einfach keine Angst haben, das spüren die Hunde und dann beissen sie erst recht, weiterfahren, schnell, oh nein, und noch so viele Schlaglöcher… Ich entkam ihm, uff, was für ein Adrenalinschub.

Nach diesem ersten Zwischenfall liess auch der zweite nicht all zu lange auf sich warten und so hatte nun auch ich meine erste Panne, eine Platte. Die Luft entwich aber nur sehr langsam und so pumpten den Schlauch alle 10km auf, was ziemlich gut funktionierte, um die Platte dann abends definitiv zu reparieren. Ich erhielt einen Velo-Reparierkurs vom Profi, holte den Glassplitter aus dem Pneu und klebte das Loch wieder zu.

Das Wetter ist soweit gut, tagsüber ist es teilweise sehr schwül. Gegen Abend zieht eine beeindruckende, blau graue Wolkenfront auf. Auch wir kriegen Regen ab, was aber nach einem heissen Tag sehr erfrischend ist.


Auf dem Zeltplatz von Dunaföldvár sind wir wiedermal ganz alleine. Der Campingwart will kaum glauben, dass ich, mit einem so ungarischen Namen wie Judith Carla, keine ungarische Grossmutter habe. Wir kochen mit einer wunderschönen Kulisse an der Donau Znacht und schauen den riesigen Frachtschiffen zu, die sich Meter für Meter stromaufwärts bewegen.

Morgens um 7 Uhr sagt plötzlich eine zürideutsche Stimme neben unserem Zelt „Wüsst Ihr eigentli dass dusse d’Sunne schiint?!?“. Markus, der andere Schweizer unterwegs, stattet uns einen Besuch ab und so gibt es einen frühen Kaffee für alle.

Nach dem täglichen Packritual sind wir bald wieder auf der Strasse. Der Veloweg verläuft meist auf wenig befahrenen Strassen. Zum Teil auch auf einer alten Landstrasse, die wir exklusiv für uns haben oder auf dem Donaudamm. Beides angenehm zu fahren. Am späteren Nachmittag kommen wir in Baja an. Ein paar tolle Exemplare sowjetischer Plattenbauten begrüssen uns.

Es zieht wieder ein Gewitter auf und wir legen im Städtchen eine Pause ein. Nachdem sich der erste Regen verzogen hat, entscheiden wir uns weiterzufahren, obwohl der Himmel vor uns immer noch dunkelschwarz ist. Man sieht die Regenfront auf uns zukommen. Plötzlich hört Judith Pascal, der etwas vorausfährt, jauchzen und fragt sich, was los ist. Ein paar Sekunden später fährt auch sie in die Regenwand, bäm! Innert 10 Sekunden sind wir nass bis auf die Haut und in den Schuhen bildet sich ein Minibiotop. Dummerweise zweigt der Veloweg auch noch auf einen unbefestigten Feldweg ab.

Und das Resultat von Regen + Feldweg =

In Dunafalva müssen wir feststellen, dass wir die letzte Fähre auf die andere Seite verpasst haben. Dort wäre der Campingplatz. Bald finden wir aber im kleinen Dörfchen, in dem wir auf eine Horde Frauen stossen, die uns ganz engagiert den Weg weisen, ein Zimmer für die Nacht. Mit dem Gartenschlauch befreien wir unsere Velos wieder vom Dreck und werden dabei ganz aufgeregt von 2 Hunden und 2 Katzen umschwärmt.

Am nächsten Morgen scheint wieder die Sonne. Nach einem leckeren Zmorgen der Gastgeberin unter der Pergola fahren wir wieder der Donau entlang, auch wenn wir sie leider nicht zu Gesicht bekommen. Die grossen Auenwälder versperren die Sicht aufs Wasser. Kurz vor der Fähre nach Mohacs hat Judith schon wieder einen Platten (wieder eine Glasscherbe). Wir schaffen es grad noch auf die Fähre und reparieren auf der anderen Uferseite. Judith ist schon ganz fix mit dem Flicken des Schlauchs und so sind wir bald wieder auf der Strasse.

Nach Dunafalva löst sich endlich auch Pascals grösstes Rätsel „Wo sind hier die Kühe?“. Seit Österreich haben wir nämlich noch keine einzige Kuh angetroffen, obwohl man auch hier Milch und Käse kaufen kann. Plötzlich ist da also eine Weide mit vielen weissen Kühen drauf und seine Welt ist wieder in Ordnung. 😉

Wir fahren am Duna-Drava Nationalpark vorbei. Auch hier sehen wir vor lauter Bäumen leider nicht viel. Bald kommen wir an die ungarisch-kroatische Grenze. Wir verlassen die EU und der Zöllner will wissen, wo wir hin wollen. Seine Antwort auf Istanbul ist: „Are you sure?!? You know, it’s very hot!“ und er hält inne mit dem Stempeln. Der kroatische Teil ist etwas traumatisch (zumindest für Judith). Wir haben noch kein kroatisches Geld, es ist fürchterlich heiss, es hat keine Cafés oder Lädeli… Als wir endlich einen Laden finden, will die Verkäuferin partout keine Euro annehmen. Ein anderer Kunde erbarmt sich unser (wir müssen schlimm aussehen) und tauscht unsere Euros gegen Kuna um. Ob der Wechselkurs einigermassen stimmt, wissen wir nicht, es ist uns aber in dem Moment auch sehr egal. Nach einer Pause (vor dem Ambulatorium, dem scheinbar einzigen Schattenplätzli), dem gekauften, kühlen Mineral und der Glacé gehts etwas besser.

Wir sind nicht lange in Kroatien. Bei Batina fahren wir über eine riesige Brücke nach Serbien (Juhui, schon wieder Stempel in den Pässen). Allgemein scheinen hier die Strassen etwas überdimensioniert für das Verkehrsaufkommen, es hat nämlich praktisch keines.

In Serbien fällt uns auf, dass uns die Menschen (Auto- und Lastwagenfahrer, Fussgänger) freundlich grüssen. In Ungarn war dies weniger der Fall, obwohl die Menschen auch dort sehr freundlich waren. Auch die Strassenqualität in Serbien ist anders, Schlaglöcher ohne Ende und auf dem Veloweg finden wir riesige Pfützen mit Fröschen vor. In Apatin fahren wir zuerst etwas unentschlossen in der Stadt rum, weil der Campingplatz ganze 7km gegen unsere Fahrtrichtung weit weg liegt. Am Schluss landen wir dann doch dort. Die Strassen dampfen vom Gewitter, es sieht richtig mytisch aus. Und wieder einmal haben wir den ganzen Platz für uns alleine. Der Camping ist übrigens sehr liebevoll hergerichtet und die Open-Air-Dusche ist auch ganz cool und das kalte Wasser nach dem wieder heissen Tag erfrischend. Aus Apatin kommt übrigens auch das Jelen Pivo (Pivo heisst Bier), das wohl bekannteste serbische Bier. Uns schmeckt’s.

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2 Antworten zu Budapest – Belgrad (Teil 1 bis Apatin)

  1. christine schreibt:

    platte reifen und bisslustige hunde, verpasste fähren, pivos und gewitter zur abkühlung – eine reise durch die halbe welt – und all das miterleben vom gemütlichen sofa aus – an der bernastrasse 39 unter dem dach – herrlich.
    liebe judith, lieber pascal – wie schön von euch zu lesen!! weiterhin viel viel unvergessliches, christine – die schon-fast-bernerin

    • Judith schreibt:

      Hoi Christine, schön dass Du vom hellblauen Sofa aus mit dabei bist :-)! Einen ganz lieben Gruss an Dich und die Bernastrasse, Judith

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