Von München bis Wien (oder von der Isar an die Donau)

Die Zeit vergeht wie im Fluge und die vielen Eindrücke unterwegs machen, dass München schon wieder weit weg scheint, obwohl es erst eine Woche her ist.

Der Ruhetag in München hat gut getan und wir haben die Gelegenheit genutzt, die Stadt zu Fuss zu erkunden. Und natürlich auch zu kosten, wofür München bekannt und beliebt ist; Bier und Würstchen. 🙂

Wieder auf dem Velo haben wir München auf dem Isar Radweg verlassen und sind meist über Kiessträsschen direkt der Isar entlang bis Landshut gefahren. Das Wetter war wie immer sonnig und angenehm warm. In Landshut gibt es einen hübschen kleinen Campingplatz direkt an der Isar (mit Feuerlöschern an den Bäumen…), wo wir die Nacht verbracht haben. Das Kochen am Abend auf dem Gaskocher ist immer eine wahre Freude, da wir von all den Kilometern jeweils richtig ausgehungert sind. So ist der Einkauf auch immer eher ausufernd, da wir schon hungrig im Laden stehen. Dazu kommt, dass all die Produkte, die es hier gibt, so verlockend aussehen und man ja schliesslich alles ausprobieren sollte…

Am nächsten Tag ging es im gleichen Stil weiter. Kiesstrasse der Isar entlang, die teilweise zu regelrechten Seen aufgestaut ist.Unterwegs treffen wir immer mal wieder auf Freizeitradler, Tourenfahrer sehen wir aber nur selten.Am späteren Nachmittag treffen wir in Isarmünd, wo die Isar in die Donau mündet, auf die Donau. Die Donau wird uns nun längere Zeit die Richtung weisen und unsere stetige Begleiterin sein.

Wir übernachten auf einem hübschen kleinen Zeltplatz in Rossfelden (mit Schweinestallgeruch). Die Bauernfamilie und die anwesenden Gäste (alles ältere Langzeitgäste) kümmern sich rührend um uns. Die Kinder zeigen uns den Campingplatz im Detail, schaffen einen Tisch und Stühle herbei, putzen diese minutiös für uns und sogar Bier und Saft kriegen wir ans Zelt geliefert. Und das alles für einen Preis von zweimal nichts.

Am nächsten Tag hat Judith ihren ersten kleinen Hänger und daher fahren wir der Donau entlang nur bis nach Passau. Die Radwege werden besser, sprich meist asphaltiert und lassen erahnen, das Velotourismus hier eine wichtige Rolle spielt. Wir kommen an schönen kleinen Städtchen vorbei, hin und sehen wir auf einen grossen Lastenkahn auf der Donau und von Zeit zu Zeit müssen wir selber in eine der zahlreichen kleinen Donaufähren steigen, um dem Radweg auf der anderen Uferseite weiter folgen zu können. Die „Fährmänner“ erzählen uns manchmal Geschichten, einer meinte, dass einer von vierhundert Radfahrern mit dem Ziel Istanbul unterwegs sei. Später treffen wir auf die ersten richtigen Tourenfahrer. Eine 3er-Gruppe von Zufallsbekanntschaften. Einer davon ebenfalls mit einem Bob Anhänger unterwegs (was relativ selten ist). Es stellt sich heraus, dass er ebenfalls aus Bern unterwegs nach Istanbul ist. Wir sind also nicht die einzigen „Wahnsinnigen“. 😉 Michael, ein weiterer in der Gruppe ist mit einem Dreirad-Liegevelo unterwegs, sein Ziel ist Ungarn und dann über die Alpen zurück. Er meint ganz trocken zu uns, dass die wenigsten es schaffen würden, mit dem Velo bis nach Istanbul zu kommen. Wir nehmen das mal so zur Kenntnis und lassen uns nicht entmutigen. In Passau treffen wir alle wieder auf dem Campingplatz. Am Abend schauen wir uns das wunderbar zwischen Inn und Donau gelegene Städtchen noch etwas genauer an und lassen es uns in einem wunderschön versteckten Gartenbeizli bei herzhaft bayrischer Kost gut gehen (Judith hat schon jetzt eine Schwäche für Apfelstrudel und Apfelküchle…)

In Passau geht es mit dem Donautourismus erst so richtig los. Am Ufer stehen einige grosse Flusskreuzfahrtschiffe, sogar ein Schweizer Schiff ist dabei. Passau ist scheinbar der beliebteste Ausgangpunkt für Donaureisen, insbesondere für Horden von Velofahrern, die von Passau nach Wien pedalen. Als wir die tollen Landschaften in den Donauschlingen sehen, ist uns auch klar wieso. Und Pascal beginnt beinahe zu verzweifeln, weil Judith immer und immer wieder anhalten muss, um Fotos zu schiessen (abends beim Anschauen der Tagesfotos verzeiht er ihr dann jeweils wieder ;o).

Kurz nach Passau holt uns aber der erste Regen ein. In Regenschutzmontur fahren wir trotzdem weiter. Es ist zwar nass, aber zum Glück nicht kalt. Die österreichische Grenze überqueren wir ohne es zu bemerken.. Kein Schild weisst darauf hin. Man merkt nur, dass die Ortsschilder plötzlich etwas anders aussehen. Das Wetter wird wieder besser und wir gönnen uns einen Käsekrainer (Wurst mit Käse, ein neuer Favorit) und Kartoffelsalat zum späten Mittagessen mit wunderschönem Blick auf die Donau. Wir pedalen der Donau entlang bis nach Linz. Einige Male müssen wir wieder mit Fähren das Flussufer wechseln. In Linz holt uns der Regen erneut ein. Wir schaffen es knapp das Zelt aufzustellen (in Rekordzeit) und unsere Sachen drin zu verstauen, bevor es so richtig losschüttet. Der Zeltplatz ist etwas trostlos und besteht nur aus einer eingehagten Wiese und Sanitäranlagen. Wir sind die einzigen Gäste. In einer kurzen Regenpause macht sich Pascal mutig auf Einkaufstour und kurz später Schlemmen wir im Zelt feinen Tomaten-Mozarella-Salat. Von der Stadt sehen wir nicht viel, da wir bei dem Wetter keine Lust haben, nochmals rauszugehen.

Von Linz geht es weiter bis nach Melk. Der Radweg wechelt zwischen sehr schön und langweilig. Der Veloverkehr hat deutlich zugenommen und alle 500m gibt es ein Schild, das Übernachtungsgelegenheiten oder Imbissbuden anpreist. Radtouristen scheinen hier ein wichtiger Wirtschaftsfaktor zu sein. An der Strecke liegen einige Wasserkraftwerke und Schleusen. Fasziniert halten wir ab und zu an und beobachten, wie riesige Frachtschiffe Zentimeter genau in die Schleusen manövrieren. Am späten Abend kommen wir in Melk an. Der Campingplatz liegt direkt an der Donau und ist etwas „anmächeliger“ als der in Linz. Wir treffen auch wieder auf den Schweizer Radler aus Bern, die Welt ist klein.

Am nächsten Morgen besichtigen wir vor der Weiterfahrt das berühmte Stift von Melk (Protagonist von „Der Name der Rose“ von Umberto Eco, Adson von Melk, der junge Benediktiner) mit seiner imposanten Bibliothek, die wirklich zum Staunen einlädt. Die Anlage ist sehr eindrücklich, teilweise allerdings etwas gar üppig, pompös und kitschig. Auch der erste österreichische Satellit ist in der alten Bibliothek aufgehängt, ein lustiger Kontrast. Wir sehen eine Schatztruhe mit 14 Riegeln und einem Schloss, die für allfällige Überfälle die Schätze des Stifts behüten sollte, Spiegelsääle, die vor Gold nur so leuchtende Kirche…

Dann machen wir uns auf für die lange Etappe nach Wien. Wieder beginnt es zu regnen und wir haben, zum Glück in der Nähe einer trockenen Unterführung, unsere erste Panne. Scherben auf dem Weg haben Pascals Anhängerschlauch den Garaus gemacht. Zum Glück haben wir aber Ersatzmaterial und Flickzeug dabei (und ich bin froh, dass Pascal ein Rad-Flick-Profi ist, ich scheitere jeweils schon beim Pumpen…) und so sind wir eine halbe Stunde später schon wieder auf dem Weg. Beim einzigen österreichischen AKW Zwentendorf essen wir in einem gemütlichen ehemaligen Bauernhaus Zmittag (mit Schaumrollen oder Schillerlocken zum Dessert, uiuiuiuiui…). Die Geschichte des vermeintlichen AKWs ist interessant, es ist nämlich eigentlich gar keines, das heisst, es wurde komplett fertig gestellt, bevor die Österreicher in einer Abstimmung gegen die Inbetriebnahme stimmten. So dient es heute als Übungs-AKW und Museum und auf dem Dach wurden Solarzellen installiert.

Auf dem Weg haben wir übrigens schon viele Tiere gesehen: Feldhasen, Frösche, einen Fasan, Enten, Gänse, Schwäne, Eichhörnchen, Schlangen, Biberspuren, Fische und etliche Jungtiere. Mit der Schlange war das so eine Sache. Bei der ersten Begegnung lag ein Exemplar zusammengerollt auf auf der Strasse. Bei der zweiten Begegnung aber kam es zu einem etwas unschönen Zwischenfall. Da es in der Nacht heftig geregnet und gestürmt hatte, lagen viele Äste auf dem Waldweg. Da es abwärts ging, waren wir nicht gerade langsam unterwegs. Auf einmal lag auf der Strasse, es war eben kein Ast, sondern eine braun-graue Schlange! Und da Ausweichen nicht mehr möglich war, rollte Judith mit vollem Tempo über das arme Tier hinweg, mit Vorder- und Rückrad. Das Gefühl beim Drüberfahren war sehr unangenehm, wie wenn man über einen Gartenschlauch fährt. Gemäss Pascal schlängelte sie sich im Anschluss noch zurück in den Wald, aber ob sie diese Veloattacke überlebte, wissen wir nicht. Judith war etwas unter Schock im Anschluss und sah während der nächsten Stunden überall Schlangen und das schlechte Gewissen plagte sie, um so mehr, als wir später noch ein überfahrenes, totes Exemplar am Strassenrand sahen.

Spät abends gelangen wir müde aber froh nach Wien. Die vielen Autos und Ampeln überfordern uns nach den idyllischen und ruhigen Donauwegen ein wenig. Die letzten 10 km wollen nicht enden. Wir sind froh, bei Judiths Kollegin Petra übernachten zu dürfen. Es ist schön, nach den Nächten auf den Isomätteli auf einem bequemen Sofa schlafen zu können.

Mit Hintergrundinformationen zu den Sehenswürdigkeiten von Wien aus ersten Hand von unserer waschechten Wienerin Petra erkunden wir am Sonntag die Stadt und besuchen den Stephansdom, das Café Central (inklusive Kaiserschmarren und wienerischer Charme der Kellner), die Hofburg, das Schloss Schönbrunn und die Brauerei Siebensternbräu. Auch ein Kollege von Pascal, Stefan, ist mit uns unterwegs.

p.s. Zwar ist oben jeweils der Autor des Blogbeitrages aufgeführt (dies ist meist Pascal, weil Judith immer wieder ihr Passwort vergisst), doch schreiben wir beide die Beiträge. Einer beginnt, der andere schreibt weiter und dann schreiben wir uns gegenseitig noch rein… Etwa so.

Dieser Beitrag wurde unter Ausführlicher Beitrag, Etappe, Route veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Von München bis Wien (oder von der Isar an die Donau)

  1. Ursula Zimmermann schreibt:

    Ihr macht das super!! Eure Beiträge lassen uns in Gedanken dabei sein und hoffen, dass alles so gut weitergeht wie bisher (allerdings ohne Schlangen…). Das Telefon von gestern war für mich der Höhepunkt der Woche – danke Judith.
    Gut Rad und viel Schönes wünscht mit lieben Grüssen Euer Hübeli-Duo

  2. Kathrin Mages schreibt:

    Igitt, zum Glück ist das arme Viech nicht in den Speichen gelandet. Da ist mir ein AKW mit Sonnenkollektoren doch sympathischer. Freue mich immer über Eure Fotos und Beiträge, echt spannend zu lesen. Den Mutigen gehört die Welt… toll die vielen Begegnungen, die sich auf diese Weise ergeben.
    Herzliche Grüsse auch von den beiden Grossmüttern. Weiterhin gute Fahrt und viel Spass. Mum (Habe heute mit der Arbeit angefangen, lässt sich gut an.)

  3. Petra schreibt:

    Ich habe mich SEHR gefreut, dass ihr da wart! Ihr habt euch das Prädikat „Perfekte Gäste“ redlich verdient. Danke für die liebe Nachricht, die du mir hinterlassen hast, Judith! Ich freue mich auch sehr auf ein Wiedersehen. Bussi, Petra

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s